alt text

Alt werden auf dem Land: Lucha rät Guggenhausen zu neuen Wohnformen

Guggenhausen, mit 200 Einwohnern die kleinste politisch selbstständige Gemeinde im Kreis Ravensburg, ist keinesfalls hinter den sieben Bergen, sondern mitten in der Realität: „Ich könnte jede Woche Bauplätze vergeben. Der Wohnungsmarkt ist angespannt, die Leute aus der Stadt suchen Grundstücke“, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister Dr. Jochen Currle beim Besuch des Landtagsabgeordneten Manne Lucha, in dessen Wahlkreis das winzige Gemeinwesen liegt.

Aber die Guggenhausener wollen nicht, dass ihr Ort zerfasert, sie sind vorsichtig damit, auf der grünen Wiese neue Baugebiete ausweisen, so lange sie im Ort große, kaum genutzte landwirtschaftliche Gebäude haben. Denn, auch das ist die Realität: in Guggenhausen, dieser durch und durch ländlichen Gemeinde, gibt es nur noch ganz wenige Vollerwerbslandwirte und damit große, landwirtschaftliche Gebäude mitten im Ort, die leer stehen. Das Glasfaserkabel ist verlegt, schnelles Internet ist da: „Wir würden gerne in den großen Gebäuden kleine Gewerbebetriebe ansiedeln“, sagt Currle. Denn Gewerbesteuerzahler fehlen der Gemeinde. Und damit auch Arbeitsplätze. Guggenhausen sei eine Auspendler-Gemeinde, sagt Bürgermeister Currle. Die Leute leben hier gerne, aber zum Arbeiten müssen sie wegfahren. Auch um diese Pendlerströme einzudämmen, sei es wichtig, Arbeitsplätze wieder auf dem Land anzusiedeln; dort, wo die Menschen wohnen.

Auch in Guggenhausen werden die Menschen immer älter. Was kann man vor Ort für die alten Menschen tun? Wie können sie in einer so kleinen Gemeinde möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben? Manne Lucha, Minister für Soziales und Integration, riet dazu, sich von angestammten Vorstellungen zu lösen. Er nannte dem Bürgermeister zahlreiche Fördermöglichkeiten seines Hauses. Ein Pflegeheim sei in einer so kleinen Gemeinde natürlich nicht denkbar. Aber es gebe erprobte Ansätze für „Kleinststrukturen“: Pflege-Wohngruppen oder selbstverwaltete, genossenschaftlich organisierte Senioren-WGs etwa. In solche Wohnformen könne man auch etablierte Hilfssysteme wie die Nachbarschaftshilfe einbinden, indem man die Ehrenamtlichen schult und fortbildet.

Lucha: „Die Menschen sind nicht mehr bereit, im Alter wegen Pflegebedürftigkeit ihre angestammte Heimat zu verlassen. Wir arbeiten gemeinsam in den Gemeinden, Landkreisen und im Land daran, um zukunftsfähige Wohnformen zu entwickeln“.