alt text

„Jugend trifft Minister“: 5G, Containern und kaputte Schulen

Wer pauschal behauptet, die Jugend von heute sei unpolitisch und interessiere sich nicht für die Probleme der Gegenwart, hat keine Ahnung. Oder war zumindest nicht bei der Regionalen Jugendkonferenz mit Minister Manne Lucha im Schulzentrum in Kißlegg. Dort befragten Vertreterinnen und Vertreter aus aktiven Jugendräten und SMVen den Politiker zu allen heiß diskutierten Gegenwartsfragen. Die 14- bis 19jährigen, die auf Einladung des Kreisjugendrings aus Leutkirch, Argenbühl, Waldburg, Kißlegg, Ravensburg, Weingarten, Wangen und Bergatreute zusammengekommen waren, waren bestens vorbereitet. Bevor der Minister eintraf, hatten sie auf Stellwänden zu den Themen „Integration“, „Schule und Bildung“, „Digitalisierung“ und „Nachhaltigkeit“ diskutiert und Fragen gesammelt.

Wurde der Minister in seinen Antworten zu ausführlich, bremste ihn die junge Moderatorin zuverlässig ein und mahnte, zum Ende zu kommen. Denn schon wartete die nächste Gruppe. Von links und rechts wurde neue Stellwände neben den Minister geschoben, zwei Themenverantwortliche traten mit ihren Fragekärtchen auf, und dann ging es auch schon los: „Warum lernen wir in der Schule nicht Kochen oder wie man eine Steuererklärung ausfüllt?“ „Es wäre schön, mal in eine Schule zu gehen, in die es nicht reinregnet“. „Warum können wir nicht kostenlos mit dem Bus zur Schule fahren?“. Lucha räumte ein, dass es beim Schulbau Nachholbedarf gebe, verwies aber auf die hohen Investitionen des Landes und des Bundes. Beim Thema Schülerbeförderung, für die der Landkreis zuständig ist, sprang ihm Bürgermeister Dieter Krattenmacher bei. Beide Politiker verteidigten den Eigenanteil und verwiesen auf die hohen Zuschüsse des Landkreises für die Schülerfahrkarten.

Lucha äußerte sich zum Urheberrecht, das gerade im Europäischen Parlament Thema war, mahnte, die informationelle Selbstbestimmung nicht aufzugeben und den Datenschutz hochzuhalten. Die Jugendlichen kritisierten das aus ihrer Sicht zu lahme Tempo bei der Einführung des 5G-Netzes in Deutschland und fragten provokativ: „Warum kommt die Politik mit Lösungen, wenn es zu spät ist?“ Lucha ging darauf gerne ein: „Es ist der Preis der Demokratie, dass manche Entscheidungen auch länger dauern“. Es sei wichtig, gegensätzliche Meinungen zu hören, abzuwägen und akzeptable Kompromisse zu finden.

Essen ist politisch: Jugendliche wissen sehr genau Bescheid über die Erzeugung von Nahrungsmitteln, über den Handel mit ihnen, oder darüber, wieviel von dem bei uns weggeschmissen wird, was in den Ländern des globalen Südens unter oft schlimmen Bedingungen erzeugt wird. Deshalb plädierten sie für mehr Foodsharing oder dafür, dass Containern legalisiert wird. Lucha setzte auf „regionales, gesundes und klimafreundliches Essen“. Das hätten sie ja gerne, entgegneten die Jugendlichen, aber: „In unserer Schule kommt das Essen tiefgefroren in Plastik an und wird dann aufgetaut“.

Lucha dankte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Jugendkonferenz für ihr großes Engagement. „Geht bitte unbedingt am 26. Mai wählen. Ab 16 darf man den Gemeinderat wählen, ab 18 das Europäische Parlament“.