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Vielfalt statt Einfalt

Siegfried Lehmann, bildungspolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion, gab in Weingarten einen Abriss der Bildungspolitik

In der Bildungspolitik hat in den letzten fünf Jahren eine bemerkenswerte Verschiebung der Wahrnehmung stattgefunden: man geht nicht mehr davon aus, dass alle Schülerinnen und Schüler gleich sind, sondern dass jedes Kind andere Begabungen und Fähigkeiten hat, die in der Schule wahrgenommen und gefördert werden sollten.

Das ist der Grundgedanke, der zur Konzeption der Gemeinschaftsschule geführt hat. Siegfried Lehmann, bildungspolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion hat auf Einladung des Ravensburger Landtagsabgeordneten Manne Lucha letzte Woche in Weingarten einen Abriss grüner Bildungspolitik gegeben, der so kompetent und überzeugend war, dass man der Veranstaltung mehr Besucher gewünscht hätte.

In einer Power-Point-Präsentation vergegenwärtigte er das Erreichte: 400 zusätzliche Vertretungslehrer wurden eingestellt, in der Schulsozialarbeit 1170 Vollzeitstellen eingerichtet. Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung stärke die Entscheidungsfreiheit der Eltern, was die Zukunft ihrer Kinder anbetreffe.

Die Entwicklung der Gemeinschaftsschule sichere Schulstandorte, die im ländlichen Raum sonst verloren gegangen wären. Und sie gewährleiste, dass unterschiedliche Abschlüsse auch an einer kleinen Schule möglich seien. „Damit die Gemeinschaftsschulen ihr Potenzial entfalten können“, so Lehmann, „ist es nötig, ihnen Zeit zu geben.“

Ein robustes Bildungssystem beinhalte, dass ein Wohnortwechsel für Kinder nicht zum Problem werde. Deshalb sei es wichtig, G8 weiterzuentwickeln, und Inklusion zu verwirklichen durch wohnortnahes unbehindertes Lernen in einer Regelschule. Eltern sollen aber auch die Möglichkeit haben, für ein behindertes Kind eine Schule mit sonderpädagogischem Ansatz zu wählen.

Der Ausbau der beruflichen Gymnasien wurde vorangetrieben, mit Englisch als Pflichtfach, die Eigenständigkeit beruflicher Schulen gestärkt und die Berufsschulangebote im ländlichen Raum gesichert. Lehmann: „In Baden-Württemberg sind 15 Prozent der jungen Menschen ohne berufliche Bildung, das ist ein schlechter Wert – in Sachsen sind es nur 7 Prozent. Alle jungen Menschen sollen die Chance bekommen, eine berufliche Ausbildung zu beginnen und abzuschließen.“

Geplant sei, in Zukunft auch die Realschulen pro Zug mit 10 Poolstunden auszustatten, bislang hatten nur Gymnasien dieses Privileg. Die Schulen sollen über die Entscheidung, wie die Poolstunden genutzt werden, selbst entscheiden können. Damit werden die Verantwortung und der Spielraum der Schulen gestärkt - im Sinn einer dezentralen, bedarfsorientierten Förderung der Schülerinnen und Schüler.